Zum Inhalt springen
Startseite » Blog » Snus und Nikotinbeutel am Arbeitsplatz: Was erlaubt ist und wer die Regeln macht

Snus und Nikotinbeutel am Arbeitsplatz: Was erlaubt ist und wer die Regeln macht

Snus und Nikotinbeutel am Arbeitsplatz: Was erlaubt ist und wer die Regeln macht

Beim Rauchen ist die Lage am Arbeitsplatz seit Jahren vergleichsweise klar geregelt.

Bei rauchfreien Nikotinprodukten sieht das anders aus.

Snus und vor allem tabakfreie Nikotinbeutel werden unauffällig unter die Oberlippe gelegt. Es entstehen weder Rauch noch Dampf, und ein Gang vor die Tür ist für die Nutzung nicht erforderlich.

Genau das wirft im Berufsalltag Fragen auf, auf die das Arbeitsrecht keine eigene Spezialregel für Nikotinbeutel bereithält.

Zwei Produkte, oft verwechselt

Im Alltag ist häufig von Snus die Rede, gemeint sind aber meist Nikotinbeutel.

Der Unterschied ist wichtig.

Echter Snus enthält Tabak und darf innerhalb der Europäischen Union grundsätzlich nicht verkauft werden. Schweden verfügt über eine Ausnahme.

Nikotinbeutel enthalten dagegen keinen Tabak.

In Deutschland stufen die zuständigen Behörden Nikotinbeutel nach der derzeitigen Vollzugspraxis als nicht verkehrsfähig ein, weshalb sie im regulären Handel kaum zu finden sind.

Der bloße Besitz und Konsum durch Erwachsene steht nicht im Mittelpunkt dieser Beschränkungen.

Für die Frage am Arbeitsplatz ist jedoch vor allem entscheidend, dass bei der Nutzung weder Rauch noch Dampf entsteht.

Was das Gesetz zum Nichtraucherschutz sagt

Die zentrale Vorschrift ist § 5 der Arbeitsstättenverordnung.

Danach muss der Arbeitgeber die erforderlichen Maßnahmen treffen, damit Beschäftigte wirksam vor den Gesundheitsgefahren durch Rauche und Dämpfe von Tabak- und Cannabisprodukten sowie elektronischen Zigaretten geschützt werden.

Beim Gebrauch von Snus oder Nikotinbeuteln entstehen weder Rauch noch Dampf.

Die Vorschrift erfasst diese Produkte ihrem Wortlaut nach deshalb nicht unmittelbar.

Das bedeutet allerdings nicht, dass Beschäftigte Nikotinbeutel automatisch an jedem Arbeitsplatz verwenden dürfen.

Der Arbeitgeber kann im Rahmen seines Weisungsrechts Regeln zur Ordnung und zum Verhalten im Betrieb festlegen, sofern diese verhältnismäßig sind und keine höherrangige Regelung entgegensteht.

Wer die Regeln im Betrieb festlegt

Ob und wie rauchfreie Nikotinprodukte während der Arbeit genutzt werden dürfen, ist deshalb in erster Linie eine Frage der betrieblichen Ordnung.

In Unternehmen ohne Betriebsrat kann der Arbeitgeber entsprechende Regeln grundsätzlich über sein Weisungsrecht festlegen.

Gibt es einen Betriebsrat, kann die Sache komplizierter werden.

Wird eine allgemeine betriebliche Regel darüber eingeführt, ob Snus oder Nikotinbeutel am Arbeitsplatz verwendet werden dürfen, spricht viel dafür, sie als Frage der betrieblichen Ordnung einzuordnen.

Dann kann § 87 Absatz 1 Nummer 1 des Betriebsverfassungsgesetzes relevant werden.

Eine speziell auf Nikotinbeutel zugeschnittene arbeitsrechtliche Regelung oder gefestigte Rechtsprechung gibt es bislang jedoch nicht.

Entscheidend ist außerdem, ob eine Regel das allgemeine Ordnungsverhalten betrifft oder unmittelbar vorgibt, wie eine konkrete Tätigkeit auszuführen ist.

Bei Sicherheits-, Hygiene- oder Produktionsvorgaben kann der Arbeitgeber daher einen größeren Spielraum haben.

Wer es genau wissen will, sollte zuerst einen Blick in Betriebsvereinbarung, Arbeitsordnung und Arbeitsvertrag werfen.

Wo besondere Regeln gelten können

In vielen Büros wird der diskrete Gebrauch von Nikotinbeuteln praktisch kaum auffallen.

In Bereichen mit besonderen Hygiene- oder Sicherheitsanforderungen kann die Situation anders aussehen.

In der Lebensmittelverarbeitung gelten beispielsweise strenge Vorgaben zur persönlichen Hygiene und zur Vermeidung von Kontaminationen.

Betriebe können daraus weitergehende interne Regeln ableiten.

Ein allgemeines gesetzliches Verbot speziell für Nikotinbeutel lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.

Auch im medizinischen Umfeld, in Produktionsbereichen oder bei Tätigkeiten mit engem Kundenkontakt können zusätzliche betriebliche Vorgaben zum Auftreten, zur Hygiene oder zur Sicherheit eine Rolle spielen.

Hinzu kommt eine praktische Frage.

Gebrauchte Beutel sollten hygienisch entsorgt werden und gehören weder in Kaffeebecher noch auf Schreibtische oder in gemeinsam genutzte Bereiche.

Pausen: ein häufiges Missverständnis

Einen gesetzlichen Anspruch auf zusätzliche Raucherpausen gibt es nicht.

Der Arbeitgeber kann grundsätzlich verlangen, dass nur während der vorgesehenen Pausenzeiten geraucht wird.

Werden darüber hinaus besondere Pausenregelungen oder Vorgaben zur Arbeitszeiterfassung eingeführt, können je nach Ausgestaltung Mitbestimmungsrechte des Betriebsrats betroffen sein.

Bei Nikotinbeuteln ist die Situation anders, weil für die Nutzung nicht zwangsläufig eine Arbeitsunterbrechung erforderlich ist.

Ein besonderer Pausenanspruch entsteht daraus nicht.

Ob die Verwendung während der Arbeitszeit zulässig ist, richtet sich vielmehr nach den betrieblichen Vorgaben.

Was Beschäftigte wissen sollten

Wer sich ausführlicher mit dem Thema Snus am Arbeitsplatz beschäftigt, stößt deshalb schnell auf einen entscheidenden Punkt.

Nicht allein das allgemeine Gesetz bestimmt, was im konkreten Betrieb erlaubt ist.

Interne Regeln, Betriebsvereinbarungen, Hygienevorgaben und die Art der Tätigkeit können ebenso wichtig sein.

Im Zweifel ist ein kurzes Gespräch mit der Führungskraft oder dem Betriebsrat sinnvoller als die Annahme, dass ein rauchfreies Produkt automatisch überall erlaubt ist.

Unabhängig von den Regeln im Betrieb bleibt ein Punkt unverändert.

Nikotinhaltige Produkte sind kein harmloses Alltagsprodukt. Nikotin kann abhängig machen, und wer bisher kein Nikotin konsumiert, hat keinen gesundheitlichen Grund, damit anzufangen.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der Information und ersetzt keine Rechtsberatung. Er richtet sich an erwachsene Leser ab 18 Jahren. Nikotinhaltige Produkte können abhängig machen.

Autoren Profil

Philipp Hartmann
Philipp Hartmann
Philipp Hartmann ist Chef-Redakteur und kümmert sich vor allem um Themen, die nicht klar in eine feste Kategorie passen. Ob aktuelle Entwicklungen, ungewöhnliche Alltagsthemen, digitale Trends oder spannende Fundstücke aus dem Netz – er behält den Überblick und greift Inhalte auf, die informativ, relevant oder einfach interessant sind. Dabei legt er Wert auf verständliche Texte, klare Einordnungen und einen praxisnahen Blick auf Themen, die Leser im Alltag wirklich beschäftigen.

Nach mehreren Jahren im Online-Redaktionsbereich und verschiedenen Projekten rund um Content, News und Webseitenentwicklung übernahm er die redaktionelle Leitung der Plattform. Neben klassischen redaktionellen Aufgaben beschäftigt er sich auch mit neuen Themenideen, Seitenstrukturen und der Weiterentwicklung des Angebots. Privat interessiert er sich unter anderem für Sport, Filme und digitale Trends – Themen, die gelegentlich auch in seine Artikel und Themenideen einfließen. Besonders gerne schreibt er über alles, was aktuell diskutiert wird oder sich nicht eindeutig in ein festes Themengebiet einordnen lässt.