Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt zahlt rund 2.500 Euro im Jahr für Versicherungen. Ein erheblicher Teil davon entfällt auf Verträge, die kaum jemand braucht, während gleichzeitig die wichtigsten Risiken oft unversichert bleiben.
Die Logik dahinter ist simpel: Versichern sollten Sie das, was Sie finanziell nicht selbst tragen können. Alles andere zahlen Sie besser aus der Rücklage. Nach diesem Maßstab sortiert dieser Überblick.
1. Die private Haftpflichtversicherung
Die wichtigste Versicherung überhaupt, und die günstigste. Sie deckt Sach- und Personenschäden ab, die Sie anderen im Alltag zufügen.
Der Grund für ihre Bedeutung liegt in der Haftung: In Deutschland haften Privatpersonen unbegrenzt mit ihrem gesamten Vermögen und künftigen Einkommen. Wer beim Fahrradfahren einen Fußgänger schwer verletzt, haftet für Behandlung, Pflege und Verdienstausfall, und das kann über die Lebenszeit mehrere Millionen Euro ausmachen.
Was sie kostet: 50 bis 100 Euro im Jahr für eine Einzelperson, 60 bis 130 Euro für Familien.
Worauf Sie achten sollten:
- Deckungssumme mindestens 10 Millionen Euro pauschal
- Ausfalldeckung, wenn der Schädiger selbst nicht versichert ist
- Gefälligkeitsschäden eingeschlossen
- Schlüsselverlust mitversichert, auch bei Schließanlagen
- Deliktunfähige Kinder eingeschlossen, wenn Kinder im Haushalt leben
Nach dem Ende der ersten Berufsausbildung oder mit Erreichen einer im Vertrag festgelegten Altersgrenze, meist 25 Jahre, braucht jeder eine eigene Police. Bis dahin sind Kinder bei den Eltern mitversichert.
2. Die Berufsunfähigkeitsversicherung
Die zweitwichtigste Versicherung und die, die am häufigsten fehlt. Wer von seinem Arbeitseinkommen lebt, sollte sich absichern für den Fall, dass er berufsunfähig wird.
Der Grund: Nach einem schweren Unfall oder einer Erkrankung fällt die Einkommensgrundlage dauerhaft weg. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente ersetzt davon nur einen Bruchteil und setzt voraus, dass Sie gar keiner Tätigkeit mehr nachgehen können.
Was sie kostet: 40 bis 120 Euro monatlich bei Bürotätigkeit, 150 bis 300 Euro bei körperlicher Arbeit. Der Beitrag steigt mit jedem Jahr, das Sie warten.
Worauf Sie achten sollten:
- Verzicht auf die abstrakte Verweisung
- Leistung ab 50 Prozent Berufsunfähigkeit
- Nachversicherungsgarantie ohne erneute Gesundheitsprüfung
- Endalter 67, nicht früher
- Rente in Höhe von mindestens 60 bis 80 Prozent des Nettoeinkommens
Die Gesundheitsfragen entscheiden über die Aufnahme. Wer erst mit 45 abschließt, zahlt nicht nur mehr, sondern bekommt häufiger Ausschlüsse oder eine Ablehnung. Der beste Zeitpunkt ist der Berufseinstieg.
Für Selbstständige gilt das doppelt, weil sie in der Regel überhaupt keinen Anspruch auf gesetzliche Leistungen haben. Eine Übersicht der Bedingungswerke und der Unterschiede zwischen den Tarifen führt Versicherungsriese.de für die verschiedenen Sparten.
3. Die Auslandsreisekrankenversicherung
Die dritte im Bunde der unverzichtbaren Versicherungen, und die mit dem besten Verhältnis von Kosten zu Nutzen.
Die gesetzliche Krankenversicherung zahlt im europäischen Ausland nur zu den dort üblichen Sätzen und übernimmt keinen Rücktransport. Ein Krankenrücktransport aus den USA kostet 30.000 bis 100.000 Euro, aus Thailand 20.000 bis 60.000 Euro.
Was sie kostet: 10 bis 20 Euro im Jahr für Einzelpersonen, 25 bis 45 Euro für Familien.
Achten Sie darauf, dass der medizinisch sinnvolle Rücktransport eingeschlossen ist, nicht nur der medizinisch notwendige. Der Unterschied entscheidet im Ernstfall über mehrere zehntausend Euro.
4. Was je nach Lebenslage dazukommt
Diese Versicherungen sind nicht für jeden nötig, aber für bestimmte Situationen wichtig:
| Versicherung | Wann nötig | Kosten pro Jahr |
|---|---|---|
| Kfz-Haftpflicht | gesetzlich vorgeschrieben bei eigenem Auto | 200 bis 800 € |
| Tierhalterhaftpflicht | bei Hunden und Pferden, teils Pflicht | 60 bis 120 € |
| Hausratversicherung | ab etwa 20.000 € Neuwert des Hausrats | 80 bis 250 € |
| Risikolebensversicherung | bei Familie oder Immobilienkredit | 100 bis 400 € |
| Wohngebäudeversicherung | bei eigener Immobilie, faktisch Pflicht | 300 bis 800 € |
| Gewässerschadenhaftpflicht | bei eigenem Öltank | 30 bis 80 € |
| Rechtsschutzversicherung | bei erhöhtem Konfliktrisiko | 200 bis 400 € |
Die Kfz-Haftpflicht ist die einzige gesetzlich vorgeschriebene Versicherung in dieser Liste.
Bei der Kfz-Versicherung stellt sich zusätzlich die Frage nach Teil- oder Vollkasko. Die Faustregel: Vollkasko lohnt sich in den ersten fünf Jahren nach Neukauf, Teilkasko bis etwa zehn Jahre, danach reicht die Haftpflicht.
Bei der Hausratversicherung entscheidet der Wiederbeschaffungswert. Wer in einer Wohnung mit einfacher Ausstattung lebt, kann darauf verzichten. Wer 40.000 Euro Hausrat hat, sollte sie abschließen.
Die Rechtsschutzversicherung ist der Grenzfall. Sie ist teuer und leistet erst nach einer Wartezeit von drei Monaten. Sinnvoll ist sie bei Mietverhältnissen mit Konfliktpotenzial, im Arbeitsrecht und bei viel Straßenverkehr. Wer sich vorher informiert, welche Fallstricke etwa im Arbeitsrecht lauern, kann besser einschätzen, ob der Baustein sich lohnt.
5. Worauf Sie verzichten können
Diese Versicherungen werden häufig verkauft und sind für die meisten Haushalte unnötig:
Handyversicherung. Der Schaden ist überschaubar und selbst tragbar. Die Beiträge übersteigen über die Nutzungsdauer oft den Gerätewert.
Reisegepäckversicherung. Der Hausrat deckt vieles ab, die Leistungsgrenzen sind niedrig, und die Ausschlüsse sind umfangreich.
Glasversicherung. Nur sinnvoll bei großen Fensterflächen oder Ceranfeldern, sonst eine Rücklagefrage.
Sterbegeldversicherung unter 50. Wer noch 30 Jahre einzahlt, zahlt am Ende mehr ein, als ausgezahlt wird.
Insassenunfallversicherung. Die Kfz-Haftpflicht deckt Insassen bereits ab.
Restschuldversicherung bei Krediten. Sie kostet oft mehr als die Zinsen und leistet nur in eng begrenzten Fällen.
Ausbildungsversicherung für Kinder. Eine Kombination aus Sparen und Versichern, bei der beides schlechter funktioniert als getrennt.
Der letzte Punkt gilt für alle Kombiprodukte. Trennen Sie Sparen und Versichern. Eine Risikolebensversicherung plus ein ETF-Sparplan sind fast immer besser als eine Kapitallebensversicherung.
Die Reihenfolge für den Abschluss
Wenn Sie bei null anfangen, arbeiten Sie diese Reihenfolge ab:
- Private Haftpflichtversicherung. Sofort, kostet fast nichts, deckt das größte Risiko.
- Berufsunfähigkeitsversicherung. So früh wie möglich, weil Alter und Gesundheit den Beitrag bestimmen.
- Auslandsreisekrankenversicherung. Vor der nächsten Reise, kostet 15 Euro.
- Kfz-Haftpflicht, falls ein Auto vorhanden ist.
- Hausrat, wenn der Hausrat einen relevanten Wert hat.
- Risikolebensversicherung, sobald jemand von Ihrem Einkommen abhängt.
- Alles Weitere nur, wenn ein konkreter Bedarf besteht.
Prüfen Sie den Bestand einmal im Jahr. Lebenssituationen ändern sich, und Verträge, die vor zehn Jahren passten, tun es heute vielleicht nicht mehr. Grundlagen und Zahlen zu den einzelnen Sparten stellt der Gesamtverband der Versicherer bereit.
Ein letzter Hinweis: Wer beruflich anderen Menschen rät oder verhandelt, kennt das Prinzip aus dem Alltag. Ähnlich wie bei einer Kündigungsschutzklage hängt viel davon ab, ob man vorbereitet ist, bevor der Fall eintritt. Bei Versicherungen ist es genauso: Nach dem Schaden lässt sich nichts mehr abschließen.
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Philipp Hartmann ist Chef-Redakteur und kümmert sich vor allem um Themen, die nicht klar in eine feste Kategorie passen. Ob aktuelle Entwicklungen, ungewöhnliche Alltagsthemen, digitale Trends oder spannende Fundstücke aus dem Netz – er behält den Überblick und greift Inhalte auf, die informativ, relevant oder einfach interessant sind. Dabei legt er Wert auf verständliche Texte, klare Einordnungen und einen praxisnahen Blick auf Themen, die Leser im Alltag wirklich beschäftigen.
Nach mehreren Jahren im Online-Redaktionsbereich und verschiedenen Projekten rund um Content, News und Webseitenentwicklung übernahm er die redaktionelle Leitung der Plattform. Neben klassischen redaktionellen Aufgaben beschäftigt er sich auch mit neuen Themenideen, Seitenstrukturen und der Weiterentwicklung des Angebots. Privat interessiert er sich unter anderem für Sport, Filme und digitale Trends – Themen, die gelegentlich auch in seine Artikel und Themenideen einfließen. Besonders gerne schreibt er über alles, was aktuell diskutiert wird oder sich nicht eindeutig in ein festes Themengebiet einordnen lässt.
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