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Nichtraucherschutz in Bremen: Wie sich das Rauchverhalten in Norddeutschland verändert

Nichtraucherschutz in Bremen: Wie sich das Rauchverhalten in Norddeutschland verändert

Bremen gilt seit Jahren als eines der Bundesländer mit den höchsten Raucherquoten in Deutschland. Laut Angaben des Aktionsbündnisses Nichtrauchen (ABNR) liegt der Männeranteil unter den Rauchenden hier bei über 34 Prozent, ähnlich hoch wie in Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Auch bei Frauen zählt Bremen zur Spitzengruppe. Gleichzeitig hat der Stadtstaat früh regulatorisch reagiert und mit dem Bremischen Nichtraucherschutzgesetz 2008 einen der ersten Rahmen für rauchfreie Gastronomie im Norden geschaffen. Das Zusammenspiel aus hoher Prävalenz und strengen Regeln macht Bremen zu einem interessanten Beobachtungsraum für Veränderungen im Tabakkonsum.

Regulatorischer Rahmen: Was das BremNiSchG festlegt

Das Bremische Nichtraucherschutzgesetz trat am 1. Januar 2008 in Kraft, für Gaststätten galten die Regelungen ab dem 1. Juli 2008. Ziel des Gesetzes ist laut § 1 der Schutz von Nichtrauchenden vor den Gesundheitsgefahren des Passivrauchens. Erfasst werden unter anderem Behörden, Krankenhäuser, Schulen, Hochschulen, Sport- und Kultureinrichtungen, Gaststätten, Hotels, Diskotheken sowie Einrichtungen an Häfen und Flughäfen. Nach einer Nachbesserung sind auch abgetrennte Nebenräume nur unter engen Voraussetzungen als Raucherbereiche zulässig, und in Einraumgaststätten mit Speisenangebot oder Zugang für Minderjährige besteht ein generelles Rauchverbot. Wer in Bremen mit dem Rauchen aufhören möchte, findet damit ein Umfeld vor, in dem das Rauchen im öffentlichen Raum deutlich eingeschränkt ist. Kontrollen liegen bei den Ortspolizeibehörden, Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden.

Zahlen und Trends: Norddeutschland im Vergleich

Der Blick in die Statistik zeigt ein gemischtes Bild. Nach dem Mikrozensus 2017 lag die Raucherquote bei den über 15-Jährigen in Bremen bei 27,4 Prozent, in Mecklenburg-Vorpommern bei 27,7 Prozent, während der Bundesdurchschnitt bei rund 22 Prozent verortet wurde. Der langfristige Trend zeigt sinkende Zahlen, allerdings mit einer Ausnahme bei jüngeren Altersgruppen. Die Schulbus-Studie aus dem Zeitraum Herbst 2021 bis Frühjahr 2022 dokumentierte in der Stadt Bremen einen Anstieg der Gelegenheitsraucher unter Jugendlichen von etwa 19 auf rund 22 Prozent. Die Deutsche Befragung zum Rauchverhalten verzeichnete parallel dazu einen deutlichen Anstieg des Tabakkonsums bei 14- bis 17-Jährigen im gesamten Bundesgebiet. Fachleute verweisen als mögliche Einflussfaktoren auf die Pandemiejahre, wirtschaftliche Belastungen und die Verbreitung neuer Produkte wie Einweg-E-Zigaretten. Sozioökonomische Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Bremen weist mit über 28 Prozent eine überdurchschnittliche Armutsgefährdungsquote auf, und Studien zeigen einen Zusammenhang zwischen niedrigem sozialen Status und höherem Tabakkonsum.

Wandel im Konsumverhalten: Von der Zigarette zu Alternativen

Parallel zur klassischen Zigarette verändert sich der Markt. E-Zigaretten, Tabakerhitzer und rauchfreie Nikotinprodukte wie Nikotinpouches gewinnen Marktanteile, insbesondere bei jüngeren Konsumierenden. Für die regulatorische Praxis in Bremen ist die Unterscheidung relevant, da das BremNiSchG in erster Linie auf verbrennungsbasierte Tabakprodukte zielt, während der rechtliche Status neuerer Produktkategorien in Teilen noch ausgestaltet wird. Fachgesellschaften veröffentlichen regelmäßig Positionen zu Risikoprofilen und Präventionsansätzen. In der Suchtberatung wird zwischen vollständigem Ausstieg und schadensmindernden Konzepten unterschieden, wobei Nikotinersatztherapie, verhaltenstherapeutische Programme und ärztlich begleitete Ansätze als evidenzbasierte Standards gelten.

Beratungsangebote und Unterstützung in der Region

In Bremen gibt es Anlaufstellen für Menschen, die ihren Konsum verringern oder beenden möchten. Die Bremische Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau, das Gesundheitsamt Bremen und freie Träger wie die Caritas oder die AWO bieten Informationen zu Suchtfragen. Ergänzende Telefonberatungen und Onlinekurse bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung an. Wer interessiert ist, sollte sich die konkreten Formate anschauen. Niedrigschwellige Programme haben oft eine bessere Erfolgsquote als individuelle Versuche ohne Begleitung. In Bremen gibt es auch regionale Selbsthilfegruppen, deren Kontaktdaten über die Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe zu erhalten sind.

Autoren Profil

Philipp Hartmann
Philipp Hartmann
Philipp Hartmann ist Chef-Redakteur und kümmert sich vor allem um Themen, die nicht klar in eine feste Kategorie passen. Ob aktuelle Entwicklungen, ungewöhnliche Alltagsthemen, digitale Trends oder spannende Fundstücke aus dem Netz – er behält den Überblick und greift Inhalte auf, die informativ, relevant oder einfach interessant sind. Dabei legt er Wert auf verständliche Texte, klare Einordnungen und einen praxisnahen Blick auf Themen, die Leser im Alltag wirklich beschäftigen.

Nach mehreren Jahren im Online-Redaktionsbereich und verschiedenen Projekten rund um Content, News und Webseitenentwicklung übernahm er die redaktionelle Leitung der Plattform. Neben klassischen redaktionellen Aufgaben beschäftigt er sich auch mit neuen Themenideen, Seitenstrukturen und der Weiterentwicklung des Angebots. Privat interessiert er sich unter anderem für Sport, Filme und digitale Trends – Themen, die gelegentlich auch in seine Artikel und Themenideen einfließen. Besonders gerne schreibt er über alles, was aktuell diskutiert wird oder sich nicht eindeutig in ein festes Themengebiet einordnen lässt.