Fußball-Weltmeisterschaften sind seit Jahrzehnten mehr als Sportereignisse. Sie sind finanzielle Großprojekte, bei denen Milliardenbeträge verschoben werden, staatliche Budgets unter Druck geraten und die Frage, wer am Ende profitiert, selten eindeutig beantwortet werden kann. Um diese Frage seriös zu beantworten, lohnt es sich, die wirtschaftlichen Strukturen hinter dem Spektakel genau anzuschauen.
Wer zahlt, wer verdient: Die asymmetrische Kosten-Nutzen-Struktur
Bei Großsportereignissen wie einer Fußball-WM folgt die Finanzarchitektur einem wiederkehrenden Muster. Der Weltverband FIFA legt die Bedingungen fest und kassiert den Löwenanteil der Einnahmen. Die gastgebenden Nationen hingegen tragen den Großteil der Betriebskosten, ohne proportional am finanziellen Ertrag beteiligt zu werden.
Ein konkreter Blick auf die Kosten der Weltmeisterschaft 2026 zeigt, wie stark dieses Ungleichgewicht ausgeprägt sein kann. Allein in den USA sollen rund 875 Millionen US-Dollar aus Bundesmitteln für Sicherheitsmaßnahmen aufgewendet werden. Jede der 13 US-amerikanischen Austragungsstädte rechnet zusätzlich mit Ausgaben zwischen 100 und 200 Millionen US-Dollar für Infrastruktur, Logistik und Ordnungsdienste. Kanada veranschlagt trotz nur zwei Spielorten mehr als 1 Milliarde kanadische Dollar, wobei allein Vancouver ursprünglich 240 Millionen Kanadische Dollar budgetiert hatte, der Betrag aber auf knapp 700 Millionen Kanadische Dollar angestiegen ist. Mexiko gibt rund 1 Milliarde US-Dollar für Sicherheit und Infrastruktur aus.
Auf der Gegenseite: Die FIFA erwartet Gesamteinnahmen von rund 10,4 Milliarden US-Dollar. Davon entfallen nach Angaben von Amnesty International rund 3,9 Milliarden auf Übertragungsrechte, 3,1 Milliarden auf Tickets und Hospitality sowie 3,4 Milliarden auf Marketing und Sponsoring. Einen erheblichen Teil dieser Einnahmen zahlt die FIFA in den Gastgeberländern nicht oder kaum mit Steuern, da Sonderregelungen und in Mexiko sogar eine vollständige Steuerbefreiung greifen.
Historische Einordnung: Was frühere Turniere tatsächlich gekostet haben
Der Vergleich mit früheren Weltmeisterschaften zeigt, dass hohe Ausgaben kein neues Phänomen sind. Gleichzeitig variieren die Größenordnungen erheblich, je nach Ausgangssituation des Gastgeberlandes.
Die Weltmeisterschaft 2022 in Katar steht als extremer Ausreißer in der Geschichte des Turniers. Da die nötige Infrastruktur, darunter Stadien, Hotels, ein neues U-Bahn-Netz und ganze Städte, erst geschaffen werden musste, beliefen sich die Gesamtausgaben nach Schätzungen verschiedener Wirtschaftsanalysten auf rund 200 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Die Turniere in Russland 2018 und Brasilien 2014 kosteten jeweils rund 14 bis 15 Milliarden US-Dollar. Die WM 2010 in Südafrika gilt mit etwa 3 Milliarden US-Dollar als günstigstes Turnier des 21. Jahrhunderts.
Ökonomen betonen, dass ein direkter Vergleich der Kostenzahlen methodisch heikel ist. Unterschiedliche Definitionen dessen, was als „WM-Kosten“ gilt, erschweren eine saubere Gegenüberstellung. Investitionen in Infrastruktur, die langfristig genutzt wird, werden von manchen Analysten herausgerechnet, von anderen nicht.
Tourismus, Stadtentwicklung und das Problem der weißen Elefanten
Die wirtschaftliche Rechtfertigung für die hohen Ausgaben stützt sich oft auf erwartete Multiplikatoreffekte. Tatsächlich können Großereignisse den Tourismus kurzfristig deutlich ankurbeln. Für die WM 2026 werden allein in den USA rund 6,5 Millionen Stadionbesucher erwartet, knapp die Hälfte davon aus dem Ausland. Volle Hotels, Restaurants und ein erhöhter Konsum können einen Teil der öffentlichen Ausgaben indirekt refinanzieren.
Die wirtschaftswissenschaftliche Forschung liefert hier allerdings gemischte Befunde. Eine viel zitierte Studie des ifo Instituts aus früheren WM-Zyklen kommt zu dem Schluss, dass der tatsächliche Wachstumsimpuls für das Bruttoinlandsprodukt der Gastgeberländer meist deutlich geringer ausfällt als in den Bewerbungsunterlagen versprochen. Stadien, die nach dem Turnier kaum genutzt werden, sogenannte weiße Elefanten, binden zudem jahrelang Unterhaltskosten.
Der wirtschaftliche Nutzen einer Fußball-WM hängt letztlich stark davon ab, wie gut bestehende Infrastruktur genutzt wird, wie transparent die Kostenplanung ist und ob die entstehenden Einrichtungen langfristig in die städtische Entwicklung eingebunden werden. Gastgeberstädte, die diese Kriterien bereits in der Bewerbungsphase konsequent anlegen, schneiden in der Nachbetrachtung deutlich besser ab als jene, die auf kurzfristige Prestige-Projekte setzen.
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